Besucherzählung

Besucherzählung – warum?

Diese Frage werden Sie sich vielleicht stellen, zumal für das Ausfüllen der Statistikunterlagen schon mehr als genügend Zahlen ermittelt und berechnet werden müssen. Warum ist die Angabe der „Besuche im Berichtsjahr“ zusätzlich zu den Entleiherinnen und Entleihern wichtig?

Büchereien müssen sich immer häufiger mit anderen Kultur-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen der Gemeinde oder Kirchengemeinde messen (bzw. messen lassen). Hierfür ist die Zahl der Entleiherinnen und Entleiher oder auch der Ausleihen kaum nutzbar, da diese Werte sonst nirgendwo erhoben werden. Als vergleichbare Größe, die in vielen Einrichtungen vor Ort ermittelt werden kann, kommt also nur die Anzahl der Besuche in Frage.

Zwei Beispiele verdeutlichen dies:

Eine Freizeitsportlerin, die das städtische Hallenbad 40mal mit der Jahreskarte betritt, wird hier auch selbstverständlich 40mal als Besucherin gezählt. Ebenso wird ein Nutzer der Volkshochschule für jeden besuchten Kurs einzeln „verbucht“. Deshalb liegen die gemeldeten Besucherzahlen dieser und anderer kommunaler Einrichtungen in der Regel höher als die Zahl der Entleiherinnen und Entleiher in Büchereien. Büchereien haben jedoch ebenfalls viele regelmäßige Besucherinnen und Besucher, die oft wöchentlich oder monatlich kommen und sich in der Bücherei aufhalten – ob sie nun etwas entleihen oder nicht.

Warum sollte also diese Zahl nicht ermittelt werden und die Bücherei in lokalen Vergleichen ungerechtfertigt schlecht dastehen? Büchereien gehören seit jeher zu den meistgenutzten Kultur-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, und das sollten sie auch zu jeder passenden Gelegenheit anmerken und durch Vergleichszahlen belegen! Die Bücherei ist einer der wichtigen Treffpunkte.


Was zählt als Besuch?

Als Besuch zählt jedes einzelne Betreten der Bücherei durch eine Person, wie auch immer die Nutzung im Folgenden ausfällt. Das gilt auch außerhalb der regulären Öffnungszeit (z.B. bei Veranstaltungen).

Diese Zahl ist natürlich auch schon in kleinen Büchereien immer wesentlich höher als die Zahl der Entleiherinnen und Entleiher. Wenn in der Bücherei also lediglich die Entleiherinnen und Entleiher erfasst werden, gehen viele Menschen „ungezählt“ nach Hause, z. B.:

  • alle Benutzerinnen und Benutzer, die in die Bücherei kommen und nur etwas nachschlagen
  • oder in einer Zeitschrift lesen, aber nichts entleihen
  • von Eltern mitgebrachte Kinder, welche nicht selbst Medien entleihen
  • alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Veranstaltungen (z.B. komplette Kindergartengruppen nebst Begleitpersonen).

 

Wie werden die Besuche gezählt?

Je nach den finanziellen, technischen und organisatorischen Möglichkeiten in der Bücherei können folgende Methoden für die Besucherzählung genutzt werden:

Lichtschranke mit Zählwerk

Die Geräte können im Eingangsbereich der Bücherei installiert werden und zählen selbstständig und fortlaufend die Besucherinnen und Besucher sowohl beim Betreten als auch beim Verlassen der Bücherei. Daher müssen die Zählerstände jeweils durch zwei geteilt werden, um am Ende die richtigen Werte zu ermitteln. Der größte Vorteil dieser Zählart ist, dass außer dem möglichst regelmäßigen Ablesen, Notieren und Zurückstellen der Zählerstände keine zusätzliche Arbeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bücherei anfällt. Der Nachteil solcher Zählgeräte ist der recht hohe Anschaffungspreis.

Manueller Zählapparat/Strichliste

Die Zählung der Besuche per Zählapparat oder Strichliste ist leider aufwändiger. An der Ausleihtheke werden alle Besucherinnen und Besucher per Druck auf einen Zählhebel oder per Strich auf der Liste registriert. Am Ende des Tages wird dann der Zählerstand bzw. die Anzahl der Striche abgelesen und notiert.

Stichprobenerhebung

Nicht so genau wie die fortlaufende Zählung während des ganzen Jahres, statistisch jedoch anerkannt, sind Stichprobenerhebungen. Hier werden die Besuche nur in einigen ausgewählten, möglichst repräsentativen Wochen im Jahr gezählt und dann auf das Jahr hochgerechnet. Diese einfache Art der Erhebung wird auch in vielen anderen Einrichtungen angewandt und ist auf jeden Fall besser, als die Zahl der Besuche überhaupt nicht zu ermitteln. Stichproben lassen sich beispielsweise gut durch eine Quartalszählung ermitteln. Je Quartal werden eine Woche lang an allen Öffnungstagen alle Besucherinnen und Besucher gezählt. Das Ergebnis wird durch die Anzahl der Öffnungstage in diesen vier Wochen geteilt und diese Durchschnittsmenge mit der Anzahl aller tatsächlichen Öffnungstage im Jahr multipliziert.

Formel:

Summe der Besucherinnen und Besucher
: Anzahl der Stichprobenöffnungstage
x tatsächliche Öffnungstage im Berichtsjahr
+ Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Veranstaltungen
= Anzahl der Besucherinnen und Besucher

Beispiel:

Anzahl der Besucher: 688 s. Beispielstrichelliste
Anzahl der Öffnungstage im Berichtsjahr: 92
Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Veranstaltungen:    192   

Rechnung:
688 : 8 x 92 + 192 = 8.104 Besucherinnen und Besucher im Berichtsjahr

Der Beitrag zitiert im Wesentlichen aus einem Artikel von Thomas Oberholthaus, Leiter der Fachstelle für Büchereiarbeit im Emsland/Osnabrück.